Griaß eich,

ich habe mir gedacht, dass es sinnvoll ist eine Seite rund ums wunderschöne Schafkopfen zu schreiben. Mittlerweile kann man ja überall und jederzeit im Internet spielen und findet auch spät Nachts noch eine gute Partie. Kaum denkbar vor zwei Jahren!

Es ist ein regelrechter Boom um Online Schafkopfen ausgebrochen und alle, die gerne mit Freunden eine Runde Schafkopfen, spielen jetzt auch im Internet. Die meisten um Punkte, manche aber auch schon um Geld. Und die Möglichkeit online zu spielen, lockt immer mehr Spieler an. Das muss nicht immer gut sein, denn viele sind gerade mal mit den Regeln vertraut und von Schafkopf Strategie ist noch nichts zu sehen.

Deswegen werde ich auf dieser Seite eine Schafkopf Schule einrichten. Hier kann jeder lernen wie er online Schafkopft und vor allem wie er keine Fehler macht, oder wie man im auf gut bayerisch sagt: Einen scheiß zamspielt!

Außerdem habe ich noch eine Schafkopf Strategie Sektion eingerichtet, für die etwas besseren Spieler. Ich möchte damit anderen Spielern nicht vorschlagen wie sie zu spielen haben. Aber ich möchte ein paar Denkmuster, die in der Schafkopf Welt weit verbreitet sind aufbrechen und zum Denken anregen. Ich weiß, dass mir viele widersprechen werden, aber da kann man nichts machen. Nur weil Opa so gespielt hat, heißt es nicht, dass es die richtige Spielweise ist. Ich hoffe, dass sich auch einige Diskussionen in den Kommentaren ergeben und es freut mich natürlich immer wenn andere Spieler ihre Meinung äußern.

In diesem Sinne, viel Spaß auf Online Schafkopfen und ein gutes Blatt!

Die meisten Spieler gehen nach der Devise “Niemals nachspielen!”. Das haben sie von Opa gelernt und da Opa ein guter Schafkopf Spieler war, muss das auch richtig sein. Aber wie alles beim Schafkopfen, gibt es kein schwarz oder weiß. Nachspielen ist nicht immer schlecht, sondern in manchen Situationen sogar das einzig richtige.

Schauen wir uns eine solche Situation an:

Wir müssen gegen einen Wenz spielen an einem kurzen Tisch und kommen heraus. Der Spieler ist direkt nach uns dran. Wir spielen die Schellen Sau, der Spieler gibt den Schellen Neuner zu, der nächste Mitspieler den Schellen Zehner und der nächste den Schellen Ober. Wir haben noch den Schellen König, es sind also alle Schellen im ersten Stich gefallen. Was sollen wir jetzt ausspielen? Richtig, den Schellen König, also nachspielen!

Warum? Weil der Spieler direkt nach uns kommt und keine Position hat.Der Schellen König ist sowas wie ein Trumpf bei dem man nicht zugeben muss. Und das ist immer gut wenn die Mitspieler Position auf den Spieler haben. Denn was kann passieren? Der Spieler nimmt den Stich entweder mit einem Unter, dann können sich unsere Mitspieler überlegen ob sie drüberstechen, oder ihm den Stich überlassen und sich abspatzen. Für den Spieler wird das ein teurer Stich, der ihm kaum Augen bringt. Und wenn der Spieler nicht sticht, dann können die Mitspieler schmieren wie blöd. Wir machen dann einen dicken Stich mit vielen Augen – nicht schlecht für nen Schellen König. Zudem können Sie sich dann abspotzen und wir können im nächsten Stich die Farbe ausspielen bei dir sich einer unserer Mitspieler frei gemacht hat.

Wie wir sehen ist in diesem Fall Nachspielen absoluter Trumpf auch wenn man manchmal von unbelehrbaren angegriffen wird im Chat. Aber das ist egal, darüber muss man stehen.

Nachspielen ist also immer dann richtig, wenn die Mitspieler Position auf den Spieler haben, also nach ihm kommen. Und natürlich wenn man weiß was noch da ist bzw. wenn eben nichts mehr da ist und man das Höchste der Farbe ausspielt.

Der Erwartungswert ist eine bekannte Maßzahl von Investitionen. Es geht im Prinzip nur darum was man im Durchschnitt aus einer Investition zurück bekommt, was man also an Ertrag erwartet. Wenn man 1000 Euro auf die Bank bringt und 10 % Zinsen bekommt, kann man sich sicher sein in einem Jahr 1100 Euro auf dem Konto zu haben. Wenn ich aber 1000 Euro in Aktien investiere, die entweder um 20 % fallen können oder um 20 % steigen können, dann beträgt der Erwartungswert ebenfalls 1100 wenn die beiden Fälle gleich wahrscheinlich sind.

Nichts anderes ist es beim Schafkopfen und dieses Konzept kennen viele sicherlich vom Poker spielen auch: Ich treffe bei jedem Zug eine Entscheidung, die einen bestimmten Erwartungswert hat. Bei einem Solo mit einer schlechten Hand verliere ich zu 90 % 600, gewinne aber zu 10 % 600. Der Erwartungswert ist dann negativ: 0,9 x (-600) + 0,1 x 600 = – 480.

Worum es beim Schafkopfen nun geht ist Entscheidungen zu treffen, die einen positiven Erwartungswert haben. Dann gewinne ich langfristig nämlich und das sollte schließlich das Ziel sein. Und das ist ein Punkt, den viele noch nicht verstanden haben. Sie spielen nur wenn sie “sicher” gewinnen, aber nicht wenn der Erwartungswert positiv ist. Angenommen du hast ein grenzwertiges Spiel, das du zu 70 % gewinnst, aber nicht öfter. Dann solltest du trotzdem spielen auch wenn du relativ häufig verlierst. Solange die Wahrscheinlichkeit über 50 % liegt (Kontra einmal ausgenommen), ist es richtig zu spielen.

Kurzes Beispiel

Eine einfache Frage, die man sich manchmal stellt: Soll man einen Tout spielen oder nicht? Beim Tout gewinnt man doppelt so viel, aber ein einziger Stich der Gegner kann ihn kaputt machen. Angenommen man kommt raus und hat Eichel Unter, Herz Unter, Eichel Sau, Eichel 10, Eichel König, Herz Sau. Entweder man spielt einen Wenz, den man sicher gewinnt, denn die Gegner können höchstens einen Stich machen. Oder man riskiert einen Tout. Den Tout kann man nur in dem Fall verlieren wenn ein Spieler ebenfalls zwei Unter hat und sie nicht verteilt sind. Ansonsten gewinnt man natürlich.

Das heißt, dass man aller Wahrscheinlichkeit nach den Tout gewinnt, denn meistens sind die Unter verteilt, aber es gibt auch Fälle in denen sie nicht verteilt sind und man verliert tatsächlich. Außerdem muss derjenige Spieler mit 2 Untern ein Kontra geben wenn man einen Tout spielt, dann wird es gleich vierfach teuer! Das ist etwas, das man unbedingt mit einkalkulieren muss. Vergleichen wir nun die Erwartungswerte von Wenz und Wenz Tout:

Beim Wenz ist es klar, wobei die Wahrscheinlichkeiten geschätzt sind. Zu 80 % gewinne ich Schneider Schwarz und 200 punkte und zu 20 % gewinne ich, aber nicht Schneider schwarz und nur 100. Erwartungswert ist damit 0,8 x 200 + 0,2 x 100 = 180

Beim Wenz Tout sieht es anders aus. Zu 80 % gewinne ich 400 (in dem Fall in dem die Unter verteilt sind) und zu 20 % bekomme ich ein Kontra und verliere 800. Der Erwartungswert ist 0,8 x 400 + (-0,2 x 800) = 160
Also geringer als beim Wenz!

Das ist aber nur ein Beispiel. Es zeigt aber immerhin, dass man sich meist sehr sehr sicher sein muss den Tout zu gewinnen, damit dieser besser ist als der Nicht-Tout.

Wenn man neu beim Online Schafkopfen ist, bieten sich eigentlich nur lange Tische an. Lange Tische heißt, dass 8 Karten ausgeteilt werden. Es kommt im Gegensatz dazu noch einen kurzen Tisch bei dem nur 6 Karten ausgeteilt werden. Das Spiel bei kurzen Tischen ist komplett anders!

  1. Man braucht mehr Trümpfe um zu spielen: Für ein Spiel braucht man in der Regel 5 Trümpfe. Nur in ganz seltenen Fällen kann man auch mit weniger Trümpfen gewinnen. Der Grund hierfür ist, dass das Kartendeck deutlich reduziert ist (insgesamt sind 4 x 2 weniger Karten im Spiel). Die Karten, die weniger im Spiel sind, sind nicht Trümpfe oder 7 und 8. Das heißt, das ganze verschiebt sich zugunsten der Trümpfe. Der Anteil an Trümpfen ist bei kurzen Tischen also höher. Deshalb braucht man für ein Spiel auch mehr Trümpfe.
  2. Spieler sind meistens frei. Ein Sauspiel ist bei kurzen Tischen schwierig, denn die Sau geht fast nie durch. Überlege einmal: Du spielst mit dem Gras König auf die Blaue. Jemand such mit dem Zehner. Nun muss der andere Spieler den Neuner und dein Mitspieler die Sau haben – nur so geht die Sau durch. Hat alleine schon einer der Spieler zwei Gras, ist einer frei und kann die Sau zusammen stechen.
  3. Die Spiele sind schneller: Das Spiel ist bereits nach 6 Stichen beendet und nicht erst nach 8.
  4. Die 2 Stiche Regel zählt. Wenn du ein Spiel hast und 2 Stiche nicht machen kannst, solltest du dennoch spielen weil die 2 Stiche für die Gegner meist nicht ausreichend sind.

Soll ich kurz oder lang spielen?

Natürlich ist diese Frage nicht pauschal zu beantworten. Manche Spieler können an kurzen Tischen nichts anfangen weil sie lange gewöhnt sind und umgekehrt. Die Action an kurzen Tischen ist allerdings bedeutend größer. Es gibt mehr Möglichkeiten Fehler zu machen und diese natürlich auszunutzen. Deshalb sind für mich kurze Tische einfach die besseren und deshalb richtet sich der Großteil der Schafkopf Schule an kurze Tische.

Das ist etwas was ich beim Pokern gelernt habe und was auch aufs Schafkopfen angewendet werden kann. Die Regel ist ganz einfach, aber wird trotzdem von vielen Spielern nicht beachtet:

Jedes Mal wenn du anders spielen würdest wenn du die gegnerischen Karten sehen kannst, begehst du einen Fehler nach der Fundamental Theorem of Schafkopf. Jedes Mal wenn du genauso spielen würdest als könntest du die gegnerischen Hände sehen, spielst du perfekt

Das klingt vielleicht etwas verwirrend, ist aber ganz einfach. Wir nehmen mal an du würdest alle Karten am Tisch sehen können. Es wird ganz normal gespielt, nur hast du die Computer der Gegner gehackt und kannst die Karten sehen. Das geht natürlich nicht, wir nehmen es aber einmal an. Wenn du die Karten siehst, kannst du perfektes Schafkopf spielen. Du würdest keine Fehler begehen (außer du bist zu blöd ;) ). Wenn du jetzt aber die Karten nicht mehr sehen kannst und spielst anders im Vergleich zu dem Fall, dass du sie sehen kannst, dann machst du einen Fehler.

Machen wir ein einfaches Beispiel: Der Solo Spieler spielt beim ersten Stich den Eichel Unter aus, du hast den Gras Ober und bist in 1. Position. Sollst du ihn gleich stechen oder deine Trumpf Sau schmieren? Wenn du weißt, dass einer deiner Mitspieler nach dir entweder Herz oder Schellen Ober hat, dann solltest du schmieren. Wenn aber nicht, solltest du stechen. Wenn du jetzt die Karten deiner Mitspieler sehen kannst, würdest du perfekt spielen. Du wüsstest ob du stechen musst oder nicht. Nun kannst du aber die Karten nicht sehen. Und wenn du jetzt anders spielst, spielst du nicht mehr perfekt. In diesem Fall würdest du zum Beispiel Schmieren obwohl deine Mitspieler nicht stechen können – nicht gut. Oder du würdest den Stich nehmen obwohl dein Mitspieler den Stich nehmen muss, weil er nur einen Trumpf, nämlich den Herz Ober hat – auch nicht gut. Beides sind Beispiele für nicht-perfektes Spiel. Diese Fehler hättest du nicht gemacht, wenn du die Karten deiner Mitspieler gesehen hättest.

Die Fundamental Theorem of Schafkopf ist also eine Möglichkeit die Entscheidungsqualität am Tisch zu messen.

Ich habe in den letzten Sessions verstärkt auf meine Position geachtet und das Ergebnis war eindeutig. Wie bereits hier erklärt spielt die Position eine wichtige Rolle. Wie wichtig genau – darüber kann man nur spekulieren. Mittlerweile bin ich jedoch der überzeugung, dass sie noch viel wichtiger ist als bisher angenommen und sie wird sicherlich auch von vielen Spielern völlig unterschätzt. Die Position beeinflusst das Spiel bereits bei der Entscheidung zum Klopfen:

Wenn du rauskommst oder in letzter Position bist kannst du mit einer Vielzahl von Händen klopfen. Natürlich nicht mit dem größten Mist, aber mit ausbaufähigen Händen. Gerade an kurzen Tischen mit Farbwenz ist es sinnvoll in dieser Position oft zu klopfen. Eine Hand wie Gras Unter, Gras König und Gras Zehn sieht erst einmal schlecht aus, aber wenn man in guter Position sitzt ist es einen Klopfer wert. Der Grund ist einfach der, dass sich dadurch häufig ein grenzwertiger Farbwenz ergibt, den man wegen der vorteilhaften Position für sich entscheiden kann. Gerade wenn man rauskommt ist ein Farbwenz ideal auch wenn die Gegner auch geklopft haben. Sie klopfen nämlich meistens mit Obern und Herz, aber sicher nicht mit Untern und der Spielfarbe. So lässt sich auch ein Farbwenz ohne 3 gewinnen oder auch einer mit zwei Spotzen. Denn auch mit dem Schellen Unter kann man meistens schon einen Unter und 2 andere Trümpfe ziehen, die kaum Punkte bringen. Danach hat man weiterhin die Kontrolle über das Spiel und kommt meistens sogar mit nur 3 Stichen (an kurzen Tischen natürlich) durch.

Bei guter Position geht es darum jeden Vorteil auszunutzen, den es gibt. Und das beginnt bereits beim Klopfen. Nicht anders sieht es dann beim Spielen aus. Mal ganz abgesehen von Farbwenz, Wenzen und Geiern wo man die Position sehr gut ausspielen kann (in Position kommt man am Schluss und kann sich aussuchen ob man einen Stich nimmt oder nicht, obspotzen oder nicht, usw. – kommt man als erster kann man bereits wichtige Trümpfe ziehen) sieht es beim Solo wieder ganz anders aus. Es gibt Soli, die eigentlich vom Blatt her super sind. Aber wegen schlechter Position sind sie unspielbar. Du hast es sicher schon einmal erlebt: du hast wirklich eine gute Solohand und bist siegessicher. Und nach den ersten zwei Stichen hat sich die Sache schon erledigt: Beim ersten Stich spielt einer die Sau und du hast den Spotzen dazu. Beim nächsten Stich wird deine Sau zusammen gestochen und die Gegner haben bereits 50 Punkte und machen noch einen Stich oder sind schon zu. Natürlich muss das nicht immer so laufen, aber wenn man keine Position hat kann das sehr schnell passieren. Und dann ist das Geheule groß weil man geklopft und vielleicht auch noch 3 Laufende hat. Ein unverlierbares Spiel wird zu einer klaren Sache.

Deswegen ist es oft die beste Entscheidung ein Solo ohne Position (also an zweiter oder dritter Stelle) zu unterlassen und lieber ein Sauspiel zu spielen. Das Sauspiel hat dann noch den Vorteil, dass man ja mit einem der drei Mitspieler spielt und zwei davon in guter Position sind. Das heißt der Mitspieler kommt in 2 von 3 Fällen entweder hinten drauf oder raus – beides ist nicht schlecht. Deswegen sind auch grenzwertige Sauspiele (ohne 4, mit 2 Spotzen, usw.) oft spielbar. Gute Soli hingegen nicht. Und wenn man gesperrt ist, sollte man in diesem Fall einfach mal auf weiter klicken bevor man ein Solo riskiert, das keine Oma ist. So wichtig ist die Position und wer es nicht glaubt, der sollte mal 100 Hände spielen und nur auf die Position achten…

Unter Tisch Selektion versteht man die Auswahl seines Tisches wo man spielt. Bei einem Turnier wird das natürlich schwierig, aber wenn man einfache Runden spielt, kann man sich sehr wohl aussuchen mit wem man spielen möchte und natürlich auch mit welchen Varianten. Dazu muss man nicht einmal eine Hand gespielt haben. Schauen wir uns zunächst einmal die Gegner an, die man wählen sollte.

Selektion der Gegner

Auf den großen online Schafkopf Seiten werden Punkte von Spielern angezeigt, die ausdrücken wie spielstark der Gegner ist. Zwar hat man damit sofort einen Eindruck wie stark er vermutlich ist, aber es bleibt eigentlich bei einer Vermutung. Denn zum einen kann ein Spieler mit wenigen Punkten einer sein, der sehr gut ist aber nur selten spielt. Das wäre bei mir zum Beispiel der Fall im Moment ;) Umgekehrt ist es natürlich auch möglich: ein Spieler mit sehr vielen Punkten kann eigentlich total schlecht sein. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Glück - Beim Schafkopfen ist der Vorteil eines guten Spielers nur sehr gering. Selbst wenn man einen Vorteil hat, ist die Tatsache, dass man manche Spiele zusammen mit schlechten Spielern spielt ausreichend um zu sehen, dass der Vorteil schnell verschwunden ist. Oder wie oft musstest du ein einfaches Sauspiel verlieren weil der Gegner einfach Mist gebaut hat? Oder bei einem Wenz oder Geier kann die Fehlerquelle noch viel größer sein. Gute Spieler setzen sich nur über sehr lange Strecken durch. Es müssen viele tausend Hände gespielt werden. Wer nach paar hundert Händen gut im Plus ist kann trotzdem schlecht spielen und durch Glück gewinnen. Seien es glückliche Spiele, die man normalerweise verliert, einfach gute Hände (Omas) oder Gegner, die einen mitziehen. Gründe gibt es viele.
  2. Gekaufte Punkte – Ja, es ist mittlerweile möglich Accounts mit vielen Punkten bei eBay zu kaufen. Das ist sogar alles andere als unüblich inzwischen und allzu teuer sind diese Accounts nicht. Warum jemand so etwas kauft? Gute Frage. Es kann sich dabei eigentlich nur ums Ego handeln. Man möchte einfach nicht von 0 anfangen und als Anfänger durchgehen.
  3. Zuviel Zeit – Wer 1 Million Punkte bei Sauspiel zusammen bekommt, hat definitiv zu viel Zeit. Selbst wenn derjenige sehr gut ist, es dauert ewig diese Punktzahl zu erreichen. Bessere Spieler haben vielleicht weniger Zeit und daher auch weniger Punkte…

Beides gute Gründe um zu sehen, dass viele Punkte nicht automatisch einen starken Spieler bedeuten.

Die Frage, die man sich jedoch stellen muss ist: Möchte ich mit scheinbar guten oder schlechten Spielern am Tisch sitzen. Das ist alles andere als einfach. Denn mit schlechten Spielern ist der Vorteil natürlich größer. Allerdings hat das Spielen mit schlechten Spielern zwei große Nachteile: Erstens lernt man das Spiel langsamer und kann seine Schafkopf Strategie weniger gut verfeinern. Man spielt einfach auf einem niedrigeren Niveau und niemand verbessert einen wenn man einen Fehler macht. Das finde ich persönlich extrem wichtig auch wenn man sich erstmal beleidigt fühlen mag. Zweitens ist Schafkopfen nicht immer ein Einzelspiel. Man muss viele Spiele mit einem schlechte Spieler bestreiten und kann nur hoffen, dass es gut geht. Jeder der bei einem Solo ein Kontra gibt und wo man weiß, dass es eine knappe Kiste wird, muss auf seine Mitspieler hoffen dass sie gut mitspielen. Andernfalls verliert man solche knappen Spiele, was sehr teuer werden kann.

Selektion der Varianten

Grundsätzlich muss man sich fragen ob man mit Geier und Farbwenz spielt, oder nicht. Für viele kommt ein Farbwenz gar nicht in Frage, aber er macht das Spiel schon wesentlich interessanter manchmal. Es ist aber auch Fakt, dass es mehr Spiele gibt, je mehr Varianten angeboten werden. Das liegt natürlich auf der Hand, aber viele verstehen nicht was das bedeutet: Mehr Spiele heißt auch eine größere Schwankung. Wenn du mit Geier und Farbwenz an kurzen Tischen spielst, musst du dich darauf einstellen, dass zu 90 % gespielt wird und viele Omas dabei sind, die richtig teuer werden können. Das kann zu deinem Vorteil sein, oder auch dagegen. Alles ist möglich und die Ausschläge gehen nach unten und nach oben. Es kann passieren in einer halben Stunde 10.000 Punkte zu gewinnen, aber auch zu verlieren. Dessen muss man sich bewusst sein.

Letzendlich muss man sich immer frgaen wo man den größten Vorteil hat. Denn das beeinflusst letzendlich den langfristigen Gewinn beim Schafkopfen. Schafkopfen ist sicherlich kein Spiel wie im Casino wo man eigentlich nur mit einem Casino Bonus eine Chance hat mit positivem Erwartungswert zu spielen. Es ist aber auch nicht so wie Pokern wo man es oft mit Gegnern zu tun hat, die kaum die Regeln können und das Geld nur um sich werfen. Das kann man beim Schafkopfen wiederum auch nicht erwarten.

Opa würde sagen: wennst gwinnst! Aber so einfach ist es natürlich nicht. Denn theoretisch müsste man ein Kontra geben wenn man in mehr als 50 % der Fälle gewinnt, das wäre + EV und man würde langfristig mehr gewinnen. Jedoch ist die Entscheidung nicht ganz so einfach, denn das Re macht einem einen Strich durch die Rechnung.

Wenn der Spieler wiederum ein Re gibt, heißt das, dass er sehr sicher ist zu gewinnen. Er gibt damit eine weitere Information preis, nämlich die, dass er scheinbar nicht zu schlagen ist. Nehmen wir mal an du denkst zu 60 % zu gewinnen und müsstest demnach ein Kontra geben. Wenn der Spieler nun aber ein Re gibt, gewinnst du nicht mehr zu 60 % der Fälle, denn er scheint viel stärker zu sein als angenommen. Und wenn dann deine Gewinnchance nur noch 40 % beträgt, war das Kontra eine sehr schlechte Entscheidung und – EV.

Schauen wir uns ein klassisches Beispiel an:
Der Spieler spielt einen Wenz und kommt raus. Du hast Herz Unter, Schellen Unter, Eichel Sau, Eichel Zehn, Herz Sau und Herz Zehn. Sollte man hier ein Kontra geben oder nicht?
Wie so oft beim Schafkopfen kommt es darauf an.
Zum Beispiel darauf wie der Spieler spielt. Spielt er sehr viel und grenzwertige Spiele, oder packt er nur die tod sicheren Spiele aus? Spielt er grenzwertig, so kann es gut sein, dass er nur den Eichel Unter hat und die beiden anderen Sauen. Das wäre natürlich schon sehr grenzwertig, aber er kann darauf hoffen, dass alle Unter beim ersten Stich zusammen fallen und er herunterspielen kann. In diesem Fall wäre ein Kontra ein Muss weil er sicher verliert.
Wenn er aber zu den passiven Spielern zählt, dann hat er vermutlich 2 Laufende und es wird kaum möglich zu gewinnen. Ein Kontra wäre dann fatal! Er hat 2 Laufende und wird ein Re geben. Das kostet nicht nur dich eine Menge Punkte, sondern auch deinen Mitspielern!

Von welchen Faktoren hängt also eine Kontra Entscheidung ab?

  1. Ist der Spieler aggressiv oder passiv?
  2. Wie wahrscheinlich ist es ein Re zu bekommen?
  3. Wie hoch ist die durchschnittliche Gewinnwahrscheinlichkeit
  4. Kann ich auf Unterstützung der Mitspieler hoffen?

Der vierte Punkt wurde bisher noch nicht  besprochen. Natürlich ist es nicht einfach zu sagen, aber es gibt gewisse Anzeichen, die einem verraten welche Karten die Mitspieler vermutlich haben. Angenommen Spieler A möchte spielen und Spieler C auch. Spieler A sagt weiter weil Spieler C einen Farbwenz hat. Es wird also ein Farbwenz gespielt. Was sagt uns das über die Karten von A? Naja, er muss ein Sauspiel gehabt haben. Und wenn er ein Sauspiel hatte verrät uns das schonmal, dass er vermutlich Ober, Unter und Herz sowie einen Spotzen hat. Für einen Farbwenz nicht sonderlich hilfreich!

Folgende Situation: Der Solo-Spieler kommt raus und spielt den Gras Ober aus. Du bist in 1. Position und hast lediglich Eichel Unter und Trumpf Sau als Trümpfe. Was machst du?

Das ist eine ganz einfache Situation, die aber viele Spieler nicht ganz kapieren. Sie halten den Zehner zurück und schauen, dass sie beim nächsten Stich schmieren können. Das Problem ist aber: Entweder hat der Spieler Gras Ober, Herz Ober usw. und einer der Mitspieler den Alten. Oder der Spieler hat Gras Ober und den Alten und versucht Schmiere zu ziehen.

Also ist es doch ganz einfach: Entweder hat einer der Mitspieler den Alten und nimmt den Stich gleich, oder es ist egal ob du zuerst den Unter oder die Schmiere spielst. Beide gehören sowieso dem Solo Spieler.

Deshalb solltest du gleich den Zehner schmieren und hoffen, dass ein Spieler hinter dir den Alten hat und sticht. Ansonsten kannst du in dieser Situation wenig machen.

Viele Anfänger scheinen Bammel davor zu haben ihre Sau auszuspielen in vielen Situationen. Zu groß ist die Angst, dass der Gegner sie zusammen sticht und einen großen Stich landet. Grundsätzlich ist es Blödsinn seine Sau zurück zu halten, jedoch gibt es ein paar Ausnahmen, die man beachten muss.

Zurückhalten um Punkte zu sparen

Schauen wir uns den häufigsten Fall an: Jemand spielt ein Solo und hat eine Menge Trümpfe. Beim ersten Stich spielt ein Nichtspieler den König, der andere Nichtspieler die Neun und jetzt kommst du dran. Entweder die Sau spielen oder die Acht. Die Überlegung ist folgende: Wenn ich die Sau spiele, kann er zum Beispiel mit Trumpf Zehn oder Trumpf Sau stechen und macht einen großen Stich. Wenn ich die Sau nicht spiele, kann er sich abspotzen oder noch schlimmer: Macht den Stich sogar mit dem Zehner wenn er diesen sogar hat. Dann hat man natürlich großen Mist gebaut und sollte lieber einfach die Sau spielen. So viele Punkte schenkt man ihm dann auch wieder nicht.

Wenn du vor der Entscheidung bist Sau zurück zu halten oder nicht und deine Mitspieler sind nach dir nicht mehr an der Reihe, musst du dich fragen wie wahrscheinlich es ist, dass er den Stich macht wenn du die Sau zurück hältst und ob es dir überhaupt etwas bringt die Sau zurück zu halten. Wenn du zum Beispiel viel Schmier hast, dann solltest du grundsätzlich keine Sau zurück halten mit der du einen Stich machen kannst.

Informationen sind alles

Folgende Situation: Der Solo Spieler kommt hinten drauf und du bist in 1. Position und hast Zehner und Sau. Ausgespielt ist die Neun. Du kannst also entweder den Zehner oder die Sau spielen. In diesem Fall MUSST du die Sau spielen auch wenn der Spieler hinten drauf kommt. Wenn du den zehner spielst, denkt dein Mitspieler, der wahrscheinlich frei ist, dass der Solo Spieler die Sau hat und sticht entweder teuer oder mit einem Trumpf Zehner hinein. Der Spieler hat aber die Sau nicht, sondern du und kann den Stich immer nehmen. Das ist einer der schlimmsten Fehler, die man machen kann.

Wenn du dich fragst ob du die Sau ausspielen sollst oder zurück halten kannst, musst du immer darauf achten ob du deine eigenen Mitspieler eventuell auf eine falsche Fährte lockst und zu Fehlern zwingst.