Block Spiele

Wednesday, January 14, 2015

Das ist ein Thema, das viele einfach ignorieren möchten. Und ja, es wird vorkommen, dass man hier und da blöd angemacht wird am Tisch. Aber unterm Strich macht diese Strategie sehr viel Sinn. Es geht darum, dass man ein sehr grenzwertiges Sauspiel spielt bei dem man auf seinen Mitspieler angewiesen ist. Dies sollte man sich nur überlegen wenn man Position hat, also noch zwei oder drei Spieler nach einem entscheiden müssen ob sie spielen und wenn man keine Sau hat auf die gespielt werden kann – oder nur eine.

Warum funktionieren Block Spiele?

Spieler gehen grundsätzlich davon aus, dass jemand stark ist wenn er spielt. Gleiches gilt wenn er geklopft hat. Beides muss nicht sein, aber wenn jemand ein Spiel ankündigt hat das den Vorteil, dass jemand anders schon einmal kein Sauspiel mehr spielen kann. Man nutzt also seine Position aus um zu verhindern, dass man als Gegenspieler in ein starkes Sauspiel rennt.

Kommt man zum Beispiel raus und hat eine eher schwache Hand mit Herz Ober, Eichel Unter, zwei Herz, Eichel Zehn, Gras 8, Gras 9, Schellen König. Das ist wirklich eine Hand auf die man gerne verzichten kann. Es ist vor allem aber eine Hand mit der man als Gegenspieler praktisch keine Chance hat. Dafür hat man zwei Spatzen zu viel, einen blanken Zehner. Wirklich nichts das einem Hoffnung machen kann. Wenn man selbst spielt kann folgendes passieren:
– Entweder erwischt man einen starken Mitspieler (evtl. einen Klopfer) und hat leichtes Spiel. Ergebnis ist oft ein Schneider und evtl. mit Laufenden.
– Oder man erwischt einen schwachen Mitspieler. In diesem Fall hat man mit dem Herz Ober aber die Bremse und ein Schneider ist auch mit einem schwachen Mitspieler eher unwahrscheinlich. Natürlich wird man nicht gewinnen, aber bei einem Schneider muss es schon richtig schlecht laufen.

Es gibt also weitaus schlimmeres als ein Sauspiel ohne Laufende und ohne Schneider zu verlieren. Zum Beispiel wenn man in ein Solo oder einen Wenz läuft. Kündigt man selbst schon ein Spiel an senkt man automatisch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein Solo oder einen Wenz spielt. Das liegt einfach daran, dass der Spieler annehmen muss es zumindest mit einem guten Spieler aufnehmen zu müssen. Es ist also unwahrscheinlicher dass die Karten für ihn günstig verteilt sind. Gerade bei einem Wenz bei dem die Unter gut stehen müssen. Er schreckt einfach häufig davor zurück und scheut das Risiko.

Und jetzt kommt der Punkt, der interessant ist: einen solchen Mitspieler erwischt man dann häufiger weil er in Relation zu den beiden anderen Spieler häufiger eine Sau hat. Das wäre dann so ein Schneider (Schwarz) Sauspiel mit Laufenden. Und das trotz der eigentlich schlechten Hand. Man selektiert seine Mitspieler also ganz natürlich.

Die Risiken

… liegen klar auf der Hand. Man könnte in eine richtig starke Hand laufen, die gerade extra nicht als Solo gespielt wird. Der Spieler denkt sich dann “Du willst spielen? Mit was denn? Na dann lass ich dich mal!” und schon wird gespritzt. Dann kann es schon mal teuer werden. Diese Fälle sind aber extrem selten. Denn der Spieler braucht nicht nur eine Solohand sondern darf dann auch kein Solo spielen. Spielt er eines ist gar nichts passiert – außer dass du wahrscheinlich verlierst. Deswegen ist dieser Fall extrem unwahrscheinlich. Er wird aber ab und an vorkommen.

Nächstes Risiko ist vor allem bei den Laufenden wenn man es übertreibt. Es gibt nämlich auch richtig schlechte Block Spiele bei denen man auf die Bremsen eines Mitspielers angewiesen ist, also zum Beispiel ohne 4 spielt. Auch hier spricht die Wahrscheinlichkeit für einen, denn dass man ausgerechnet den einen Spieler erwischt, der keinen der drei höchsten Ober hat ist wirklich nicht besonders wahrscheinlich. Aber auch das wird vorkommen. Dann sollte man einfach nicht ohne 4, 5 oder 6 spielen. Das geht dann schon in Richtung Harakiri.

Dann wird es vorkommen, dass dich Mitspieler blöd anmachen à la “mit welchem Mist spielst du eigentlich?”. Aber das darf dich nicht stören. Du musst dich keinesfalls rechtfertigen. Ein Spieler, der sich wegen einem verlorenen Sauspiel aufregt hat andere Probleme und es bietet sich ein Tischwechsel an. Wie gesagt, Block Spiele müssen gut durchdacht sein und kein Freifahrtschein mit jedem Mist spielen zu dürfen. Genau das ist es nämlich nicht.

Wesentliche Faktoren

Du solltest umso eher ein Block Spiel probieren wenn:

  • du gute Position hast und am besten selbst rauskommst. Damit kannst du z.B. mit einem kleinen Trumpf schon einmal anziehen oder sogar selbst suchen (ja, da sollte man aber lieber in Deckung gehen. Wenn du nur eine Farbe hast ist es das Risiko an einem langen Tisch aber meistens wert).
  • wenn maximal ein Spieler geklopft hat. Denn dann sinkt die Wahrscheinlichkeit in eine richtig gute Hand zu laufen.
  • Je höher deine Bremse ist (Herz Ober ist schon fast Pflicht um Laufende zu vermeiden im Worst Case).
  • Je grenzwertiger die Spiele deiner Mitspieler sind. Wenn sie sowieso oft nur weiter sagen brauchst du auch nicht viel zu “blocken”.
  • Je weniger Farben du hast. Ohne Sauen auf seinen Mitspieler angewiesen zu sein ist schlimm genug, da brauchst du nicht alle drei Farben im Gepäck zu haben. Zwei Farben sind gut, eine Farbe natürlich ideal.
  • Je toleranter deine Mitspieler gegenüber schlechten Spielen sind. Ja, es gibt tatsächlich Spieler, die nur Omas haben wollen und drei Ober für ein Spiel brauchen…