Die wilden Anfänger

Monday, March 16, 2015

Auf Seiten wie Sauspiel.de lässt es sich nicht vermeiden auch einmal den einen oder anderen Anfänger am Tisch zu haben. Sie erkennt man meistens daran, dass sie unter 5000 Punkte haben. Ganz offensichtliche Anfänger sind welche mit genau 3000, denn sie haben entweder gerade erst angefangen und machen ihr erstes Spiel, oder (was wahrscheinlicher ist), sie haben schon häufiger ihre Punkte verbraucht und kommen gerade vom Nachladen. Beides spricht nicht gerade für Qualität am Tisch.

Die Frage, die man sich stellen sollte ist, ob man an so einem Tisch bleibt oder nicht. Und diese Frage ist alles andere als einfach zu beantworten. Werfen wir einmal einen Blick auf die verschiedenen Spielertypen:

Der Feigling

Das ist ein Spieler, den man eigentlich am liebsten am Tisch hat. Er ist komplett verunsichert und hat kein Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er sieht ständig das Monster unterm Bett und spielt extrem zurückhaltend. So ein Spieler wird langsam aber sicher seine Punkte verlieren. Bis er irgendwann mal seine Zurückhaltung ablegt und Selbstvertrauen getankt hat.

Der Vogel

Das sind Spieler, denen es nicht an Selbstvertrauen mangelt. Im Gegenteil. Sie überschätzen sich gnadenlos und denken für ein Solo braucht man nur 3 Trümpfe und jede Sau wird durchgehen. Solche Spieler hat man eigentlich gerne am Tisch weil jedes Solo oder jeder Wenz praktisch aussichtslos sind. Das Einzige was man nicht möchte ist ein Sauspiel mit so einem wenn man selbst schwach ist. Das kann teuer werden. Allerdings kann man das mit Soli und Wenzen kompensieren. Kritisch wird es wenn er bei jeder Hand klopft und meint spritzen zu müssen. Das sind dann Spiele, die richtig ins Geld gehen können und er zieht eben immer einen unschuldigen Mitspieler ins Verderben. Mehrere solcher Vögel am Tisch sind nicht spielbar, außer man steht auf hohe Risiken und teure Spiele – egal in welche Richtung.

Der Souveräne

Dazwischen gibt es allerdings auch noch einige Spielertypen, die man nicht außen vor lassen soll. Sie treten nämlich relativ häufig auf, sind aber schwieriger zu erkennen. Diese Spieler sind zwar noch Anfänger, aber schon relativ gut. Sie wissen, dass man als Gegenspieler sucht und nicht Trumpf spielt. Sie wissen, dass man beim Wenz die Farbe spielt mit der sich ein Mitspieler abgespatzt hat, und so weiter. Sie wissen aber eben nicht alles – oder sie wenden es nicht immer richtig an. Sie machen wenige, dafür aber sehr teure Fehler. Sie passen nicht auf welche Trümpfe noch übrig sind und vergessen zu Schmieren. Oder sie versuchen das Maximum an Augen pro Stich zu machen ohne Rücksicht darauf noch weitere Stiche machen zu müssen. Klassischer Fall: Die Sau beim Wenz schmieren obwohl man damit später noch einen Stich machen würde. Solche Spieler sind außerdem wenig ausgewogen. Sie haben ganz bestimmte Spielzüge im Repertoire, die sie nicht überdenken und jedes mal so ausführen. Das Ergebnis sind dann viele kleine und manch größere Fehler.

Die entsprechenden Strategien

Jetzt wird es knifflig: Wie spielt man denn gegen die jeweiligen Spieler?

Beim Souveränen ist es klar: Es gibt keine Strategie. Fehler passieren und damit muss man leben. Als Gegenspieler profitiert man, als Mitspieler leidet man. Normalerweise gleicht sich das im Laufe des Abends aus.

Auch beim Feigling ist es schwierig. Hier sollte man lediglich schauen ständig Druck auszuüben. Mit aggressivem Klopfen und Kontras fühlt er sich unwohl. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass er nicht spielt alleine deswegen weil ein anderer Spieler geklopft hat und damit Stärke zeigt. Natürlich sollte man kein Harakiri spielen, aber eine 0815 Spielweise auf der aggressiveren Seite ist ausreichend. Hat man eine grenzwertige Entscheidung so ist häufig die aggressivere Entscheidung die bessere.

Bei den Vögeln ist es komplett anders. Hier ist man selbst als guter Spieler oft überfordert. Man sitzt da mit drei Ober auf der ersten Hand, klopft und muss mit ansehen wie zwei andere Vögel auch noch klopfen. Ist die zweite Hand dann weniger prickelnd, muss man sich dreimal überlegen ob man sich das antun soll.

Eigentlich gibt es zwei Strategien, die beide funktionieren könnnen. Entweder spiele ich ebenfalls aggressiv, aber nicht dumm wie ein Vogel. Also ich lasse mich nicht vom klopfen abhalten und gebe auch ein Kontra wenn es angebracht ist. Ich lasse mich nicht von ihnen einschüchtern und spiele, wenn es vertretbar ist. Ich bleibe aggressiv, aber lasse mich nicht auf das Niveau herab und spiele ganz grenzwertige Spiele, vor allem Soli. Wenn ich einen Wenz habe den ich zu 66% gewinne, dann spiele ich ihn auch obwohl zweimal geklopft wurde und vielleicht ein Kontra kommt. So ein Kontra heißt bei Vögeln noch lange nicht, dass sie auch gewinnen. Oft reicht ein Unter und zwei Sauen, dass sie meinen sie wären unschlagbar.

Die andere Strategie ist passiver. Man spielt nur Omas und ist auch mit Klopfen zurück haltender. Mit dieser Strategie vermeide ich natürlich sehr teure Spiele und begrenze Verluste im schlimmsten Fall. Aber ich optimiere sicherlich auch nicht meine Gewinne. Man muss natürlich selbst entscheiden wie man dagegen spielt. Aber Fakt ist, dass man durchschnittlich höhere Gewinne gegen diese Spieler immer auch mit mehr Risiko erkauft. Es kann also auch mal richtig nach hinten los gehen wenn man Pech hat.

One Comment

  1. Schafkopf-Dozent says:

    Es stimmt, der Punktestand ist auf dem ersten Blick ein Hinweis, ob es ein Anfänger sein könnte. Aufschlussreicher ist ein Klick auf das Profil des Spielers: Anzahl der Spiele, seit wann bei Sauspiel, seine Statistik… Dann weiß ich gleich, ob es ein “Oma-Blatt-Spieler” oder ein risikofreudiger Spieler ist.
    Schade ist, dass ich diese Detail-Informationen nur am PC sehe und nicht über die Smartphone-App :(
    Achja…und dann gibt es noch die Kategorie “Klopfer”, die aus Prinzip oder mit einem Trumpf das Spiel aufdoppeln. Am PC sehe ich mir dann die Klopfer-Rate an: Ist sie über 30%, gehe ich weg vom Tisch, dann ist es ein Zocker.
    Generell teile ich den Eindruck, dass immer mehr Anfänger bei den Online-Schafkopfspielen dazukommen – ich trage ja selbst dazu bei mit meinen Kursen 😀