Kontragefahr nicht vergessen beim Tout

Monday, February 16, 2015

Es gibt gewisse Situationen in denen Schafkopfen purer Zufall ist. Man denke nur an einen Wenz mit zwei Unter und einer einzigen langen Farbe: wenn die Unter nicht verteilt sind, wird man geschneidert. Wenn sie verteilt sind, könnte es ein Schneider Schwarz werden. Das muss man sich einmal vor Augen führen wie groß teilweise die Varianz sein kann. Zwischen haushoch verlieren und klar gewinnen liegen nur ein paar Prozent an Wahrscheinlichkeit und eben auch das Quäntchen Glück.

Noch schlimmer ist es natürlich beim Tout. Abgesehen von sehr klaren Fällen (Omas), braucht man auch hier gewisses Glück. Allerdings macht man auf lange Sicht einen sehr großen Fehler wenn man es eben nur auf den Zufall schiebt. Also wenn man in einer Situation immer einen Tout spielt und es auf Pech schiebt wenn man verliert. Das kann extrem teuer werden! Stell dir vor du spielst jedes mal einen Tout den du nur zu 40% gewinnen kannst. Theoretisch benötigst du aber mind. 50% damit sich ein Tout rechnet. Du verlierst daher jedes mal 10% des Einsatzes – mindestens!

Denn das Problem bei so klaren Konstellationen ist das Kontra. Und genau das macht der “50% Rechnung” einen Strich durch die Rechnung. Die Situation ist Folgende: Du hast ein klares Solo, das du immer gewinnst. Du überlegst ob du ein Tout spielen sollst. Tout heißt einfach doppelte Auszahlung. Wenn du das Tout also nur zu 51% gewinnst, lohnt es sich langfristig gegenüber dem Solo. In 49% der Fälle verlierst du zwar das Doppelte, aber dafür gewinnst du in 51% der Fälle auch das Doppelte. So weit, so gut. Leider ist da das Kontrarisiko nicht mit berücksichtigt. Und genau das unterschätzen viele Spieler.

Sagen wir du hast einen klaren Tout mit 2 Laufenden, etwa einen Sie ohne Herz Ober. Eigentlich ein Traum, aber ist das wirklich ein Tout? Nein, ist es nicht. Zwar gewinnst du den Tout in genau 50,85% aber wenn ein Spieler den Herz Ober und zusätzlich zwei Trümpfe hat (und nicht ganz bescheuert spielt), wirst du verlieren. Und du wirst nicht nur verlieren, sondern auch ein saftiges Kontra bekommen. Nehmen wir einmal an dieser Gegner gibt in 80% der Fälle ein Kontra (in den anderen 20% der Fälle hat er entweder das Spiel noch nicht verstanden oder holt sich gerade ein Bier und verschläft das Kontra). 80% sind an einem guten Tisch schon sehr niedrig angesetzt. Die Auszahlung sieht dann wie folgt aus mit einfachen Beispielzahlen: 51% * 200 = 102 wenn die Ober verteilt sind und kein Kontra erfolgt. 49% * (-400) * 80% + 49% * (-200) * 20% = – 176,4. Das Ergebnis lautet: 102 – 176,4 = -74,4. Das Minus bedeutet nichts gutes. Du verlierst unterm Strich jedes Mal ca 74 Punkte (bzw. diesen Anteil am Solotarif) wenn du in diesem Fall ein Tout spielst. Und das ist eine ganze Menge. Noch schlimmer wird das ganze wenn man sich vor Augen führt, dass man das Solo ja sicher gewinnt, entweder mit Schneider Schwarz oder mit Schneider. Soll heißen, dass man mindestens noch 100 Punkte Plus Schneider/Schneider Schwarz hinzurechnen muss. Denn das ist mindestens der sichere Gewinn den man aufgibt nur um ein Tout probieren zu können.

Man muss gar nicht lange weiter rechnen: Das Tout lohnt sich bei dieser Gewinnchance noch lange nicht. Genauer gesagt wird man sehr, sehr viel Geld verlieren auf lange Sicht wenn man meint mit 2 Laufenden einen Tout spielen zu müssen, unabhängig davon wie gut der Rest ist. Der Verlust entsteht nicht dadurch, dass man in den meisten Fällen verliert (das Gegenteil ist der Fall!), sondern eben dadurch dass man ein Kontra bekommt wenn es ungünstig verteilt ist.