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Griaß eich,

ich habe mir gedacht, dass es sinnvoll ist eine Seite rund ums wunderschöne Schafkopfen zu schreiben. Mittlerweile kann man ja überall und jederzeit im Internet spielen und findet auch spät Nachts noch eine gute Partie. Kaum denkbar vor zwei Jahren!

Es ist ein regelrechter Boom um Online Schafkopfen ausgebrochen und alle, die gerne mit Freunden eine Runde Schafkopfen, spielen jetzt auch im Internet. Die meisten um Punkte, manche aber auch schon um Geld. Und die Möglichkeit online zu spielen, lockt immer mehr Spieler an. Das muss nicht immer gut sein, denn viele sind gerade mal mit den Regeln vertraut und von Schafkopf Strategie ist noch nichts zu sehen.

Deswegen werde ich auf dieser Seite eine Schafkopf Schule einrichten. Hier kann jeder lernen wie er online Schafkopft und vor allem wie er keine Fehler macht, oder wie man im auf gut bayerisch sagt: Einen scheiß zamspielt!

Außerdem habe ich noch eine Schafkopf Strategie Sektion eingerichtet, für die etwas besseren Spieler. Ich möchte damit anderen Spielern nicht vorschlagen wie sie zu spielen haben. Aber ich möchte ein paar Denkmuster, die in der Schafkopf Welt weit verbreitet sind aufbrechen und zum Denken anregen. Ich weiß, dass mir viele widersprechen werden, aber da kann man nichts machen. Nur weil Opa so gespielt hat, heißt es nicht, dass es die richtige Spielweise ist. Ich hoffe, dass sich auch einige Diskussionen in den Kommentaren ergeben und es freut mich natürlich immer wenn andere Spieler ihre Meinung äußern.

In diesem Sinne, viel Spaß auf Online Schafkopfen und ein gutes Blatt!

Die meisten Spieler gehen nach der Devise “Niemals nachspielen!”. Das haben sie von Opa gelernt und da Opa ein guter Schafkopf Spieler war, muss das auch richtig sein. Aber wie alles beim Schafkopfen, gibt es kein schwarz oder weiß. Nachspielen ist nicht immer schlecht, sondern in manchen Situationen sogar das einzig richtige.

Schauen wir uns eine solche Situation an:

Wir müssen gegen einen Wenz spielen an einem kurzen Tisch und kommen heraus. Der Spieler ist direkt nach uns dran. Wir spielen die Schellen Sau, der Spieler gibt den Schellen Neuner zu, der nächste Mitspieler den Schellen Zehner und der nächste den Schellen Ober. Wir haben noch den Schellen König, es sind also alle Schellen im ersten Stich gefallen. Was sollen wir jetzt ausspielen? Richtig, den Schellen König, also nachspielen!

Warum? Weil der Spieler direkt nach uns kommt und keine Position hat.Der Schellen König ist sowas wie ein Trumpf bei dem man nicht zugeben muss. Und das ist immer gut wenn die Mitspieler Position auf den Spieler haben. Denn was kann passieren? Der Spieler nimmt den Stich entweder mit einem Unter, dann können sich unsere Mitspieler überlegen ob sie drüberstechen, oder ihm den Stich überlassen und sich abspatzen. Für den Spieler wird das ein teurer Stich, der ihm kaum Augen bringt. Und wenn der Spieler nicht sticht, dann können die Mitspieler schmieren wie blöd. Wir machen dann einen dicken Stich mit vielen Augen – nicht schlecht für nen Schellen König. Zudem können Sie sich dann abspotzen und wir können im nächsten Stich die Farbe ausspielen bei dir sich einer unserer Mitspieler frei gemacht hat.

Wie wir sehen ist in diesem Fall Nachspielen absoluter Trumpf auch wenn man manchmal von unbelehrbaren angegriffen wird im Chat. Aber das ist egal, darüber muss man stehen.

Nachspielen ist also immer dann richtig, wenn die Mitspieler Position auf den Spieler haben, also nach ihm kommen. Und natürlich wenn man weiß was noch da ist bzw. wenn eben nichts mehr da ist und man das Höchste der Farbe ausspielt.

Der Erwartungswert ist eine bekannte Maßzahl von Investitionen. Es geht im Prinzip nur darum was man im Durchschnitt aus einer Investition zurück bekommt, was man also an Ertrag erwartet. Wenn man 1000 Euro auf die Bank bringt und 10 % Zinsen bekommt, kann man sich sicher sein in einem Jahr 1100 Euro auf dem Konto zu haben. Wenn ich aber 1000 Euro in Aktien investiere, die entweder um 20 % fallen können oder um 40 % steigen können, dann beträgt der Erwartungswert ebenfalls 1100 wenn die beiden Fälle gleich wahrscheinlich sind.

Nichts anderes ist es beim Schafkopfen und dieses Konzept kennen viele sicherlich vom Poker spielen auch: Ich treffe bei jedem Zug eine Entscheidung, die einen bestimmten Erwartungswert hat. Bei einem Solo mit einer schlechten Hand verliere ich zu 90 % 600, gewinne aber zu 10 % 600. Der Erwartungswert ist dann negativ: 0,9 x (-600) + 0,1 x 600 = – 480.

Worum es beim Schafkopfen nun geht ist Entscheidungen zu treffen, die einen positiven Erwartungswert haben. Dann gewinne ich langfristig nämlich und das sollte schließlich das Ziel sein. Und das ist ein Punkt, den viele noch nicht verstanden haben. Sie spielen nur wenn sie “sicher” gewinnen, aber nicht wenn der Erwartungswert positiv ist. Angenommen du hast ein grenzwertiges Spiel, das du zu 70 % gewinnst, aber nicht öfter. Dann solltest du trotzdem spielen auch wenn du relativ häufig verlierst. Solange die Wahrscheinlichkeit über 50 % liegt (Kontra einmal ausgenommen), ist es richtig zu spielen.

Kurzes Beispiel

Eine einfache Frage, die man sich manchmal stellt: Soll man einen Tout spielen oder nicht? Beim Tout gewinnt man doppelt so viel, aber ein einziger Stich der Gegner kann ihn kaputt machen. Angenommen man kommt raus und hat Eichel Unter, Herz Unter, Eichel Sau, Eichel 10, Eichel König, Herz Sau. Entweder man spielt einen Wenz, den man sicher gewinnt, denn die Gegner können höchstens einen Stich machen. Oder man riskiert einen Tout. Den Tout kann man nur in dem Fall verlieren wenn ein Spieler ebenfalls zwei Unter hat und sie nicht verteilt sind. Ansonsten gewinnt man natürlich.

Das heißt, dass man aller Wahrscheinlichkeit nach den Tout gewinnt, denn meistens sind die Unter verteilt, aber es gibt auch Fälle in denen sie nicht verteilt sind und man verliert tatsächlich. Außerdem muss derjenige Spieler mit 2 Untern ein Kontra geben wenn man einen Tout spielt, dann wird es gleich vierfach teuer! Das ist etwas, das man unbedingt mit einkalkulieren muss. Vergleichen wir nun die Erwartungswerte von Wenz und Wenz Tout:

Beim Wenz ist es klar, wobei die Wahrscheinlichkeiten geschätzt sind. Zu 80 % gewinne ich Schneider Schwarz und 200 punkte und zu 20 % gewinne ich, aber nicht Schneider schwarz und nur 100. Erwartungswert ist damit 0,8 x 200 + 0,2 x 100 = 180

Beim Wenz Tout sieht es anders aus. Zu 80 % gewinne ich 400 (in dem Fall in dem die Unter verteilt sind) und zu 20 % bekomme ich ein Kontra und verliere 800. Der Erwartungswert ist 0,8 x 400 + (-0,2 x 800) = 160
Also geringer als beim Wenz!

Das ist aber nur ein Beispiel. Es zeigt aber immerhin, dass man sich meist sehr sehr sicher sein muss den Tout zu gewinnen, damit dieser besser ist als der Nicht-Tout.