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Griaß eich,

ich habe mir gedacht, dass es sinnvoll ist eine Seite rund ums wunderschöne Schafkopfen zu schreiben. Mittlerweile kann man ja überall und jederzeit im Internet spielen und findet auch spät Nachts noch eine gute Partie. Kaum denkbar vor zwei Jahren!

Es ist ein regelrechter Boom um Online Schafkopfen ausgebrochen und alle, die gerne mit Freunden eine Runde Schafkopfen, spielen jetzt auch im Internet. Die meisten um Punkte, manche aber auch schon um Geld. Und die Möglichkeit online zu spielen, lockt immer mehr Spieler an. Das muss nicht immer gut sein, denn viele sind gerade mal mit den Regeln vertraut und von Schafkopf Strategie ist noch nichts zu sehen.

Deswegen werde ich auf dieser Seite eine Schafkopf Schule einrichten. Hier kann jeder lernen wie er online Schafkopft und vor allem wie er keine Fehler macht, oder wie man im auf gut bayerisch sagt: Einen scheiß zamspielt!

Außerdem habe ich noch eine Schafkopf Strategie Sektion eingerichtet, für die etwas besseren Spieler. Ich möchte damit anderen Spielern nicht vorschlagen wie sie zu spielen haben. Aber ich möchte ein paar Denkmuster, die in der Schafkopf Welt weit verbreitet sind aufbrechen und zum Denken anregen. Ich weiß, dass mir viele widersprechen werden, aber da kann man nichts machen. Nur weil Opa so gespielt hat, heißt es nicht, dass es die richtige Spielweise ist. Ich hoffe, dass sich auch einige Diskussionen in den Kommentaren ergeben und es freut mich natürlich immer wenn andere Spieler ihre Meinung äußern.

In diesem Sinne, viel Spaß auf Online Schafkopfen und ein gutes Blatt!

Der Erwartungswert ist eine bekannte Maßzahl von Investitionen. Es geht im Prinzip nur darum was man im Durchschnitt aus einer Investition zurück bekommt, was man also an Ertrag erwartet. Wenn man 1000 Euro auf die Bank bringt und 10 % Zinsen bekommt, kann man sich sicher sein in einem Jahr 1100 Euro auf dem Konto zu haben. Wenn ich aber 1000 Euro in Aktien investiere, die entweder um 20 % fallen können oder um 40 % steigen können, dann beträgt der Erwartungswert ebenfalls 1100 wenn die beiden Fälle gleich wahrscheinlich sind.

Nichts anderes ist es beim Schafkopfen und dieses Konzept kennen viele sicherlich vom Poker spielen auch: Ich treffe bei jedem Zug eine Entscheidung, die einen bestimmten Erwartungswert hat. Bei einem Solo mit einer schlechten Hand verliere ich zu 90 % 600, gewinne aber zu 10 % 600. Der Erwartungswert ist dann negativ: 0,9 x (-600) + 0,1 x 600 = – 480.

Worum es beim Schafkopfen nun geht ist Entscheidungen zu treffen, die einen positiven Erwartungswert haben. Dann gewinne ich langfristig nämlich und das sollte schließlich das Ziel sein. Und das ist ein Punkt, den viele noch nicht verstanden haben. Sie spielen nur wenn sie “sicher” gewinnen, aber nicht wenn der Erwartungswert positiv ist. Angenommen du hast ein grenzwertiges Spiel, das du zu 70 % gewinnst, aber nicht öfter. Dann solltest du trotzdem spielen auch wenn du relativ häufig verlierst. Solange die Wahrscheinlichkeit über 50 % liegt (Kontra einmal ausgenommen), ist es richtig zu spielen.

Kurzes Beispiel

Eine einfache Frage, die man sich manchmal stellt: Soll man einen Tout spielen oder nicht? Beim Tout gewinnt man doppelt so viel, aber ein einziger Stich der Gegner kann ihn kaputt machen. Angenommen man kommt raus und hat Eichel Unter, Herz Unter, Eichel Sau, Eichel 10, Eichel König, Herz Sau. Entweder man spielt einen Wenz, den man sicher gewinnt, denn die Gegner können höchstens einen Stich machen. Oder man riskiert einen Tout. Den Tout kann man nur in dem Fall verlieren wenn ein Spieler ebenfalls zwei Unter hat und sie nicht verteilt sind. Ansonsten gewinnt man natürlich.

Das heißt, dass man aller Wahrscheinlichkeit nach den Tout gewinnt, denn meistens sind die Unter verteilt, aber es gibt auch Fälle in denen sie nicht verteilt sind und man verliert tatsächlich. Außerdem muss derjenige Spieler mit 2 Untern ein Kontra geben wenn man einen Tout spielt, dann wird es gleich vierfach teuer! Das ist etwas, das man unbedingt mit einkalkulieren muss. Vergleichen wir nun die Erwartungswerte von Wenz und Wenz Tout:

Beim Wenz ist es klar, wobei die Wahrscheinlichkeiten geschätzt sind. Zu 80 % gewinne ich Schneider Schwarz und 200 punkte und zu 20 % gewinne ich, aber nicht Schneider schwarz und nur 100. Erwartungswert ist damit 0,8 x 200 + 0,2 x 100 = 180

Beim Wenz Tout sieht es anders aus. Zu 80 % gewinne ich 400 (in dem Fall in dem die Unter verteilt sind) und zu 20 % bekomme ich ein Kontra und verliere 800. Der Erwartungswert ist 0,8 x 400 + (-0,2 x 800) = 160
Also geringer als beim Wenz!

Das ist aber nur ein Beispiel. Es zeigt aber immerhin, dass man sich meist sehr sehr sicher sein muss den Tout zu gewinnen, damit dieser besser ist als der Nicht-Tout.

Ich weiß, dass ich auf Online Schafkopfen etwas unorthodox mit den Begriffen bin, aber ich denke, dass irgendwann mal ein eindeutiges Regelwerk aufgestellt werden muss. Die Bezeichnungen variieren stark vom Norden zum Süden in Bayern und gerade beim Schafkopfen im Internet sollte sich eine einheitliche Fachsprache durchsetzen. In diesem Artikel beschreibe ich den Prozess eines Spiels und versuche dabei auf die wichtigsten Begriffe einzugehen.

Erste Hand

Als erste Hand bezeichnen wir die erste Hälfte der Karten, die wir ausgeteilt bekommen. Bei einem kurzen Tisch sind das 3 und bei einem langen Tisch 4. Bereits hier kann man wichtige Entscheidungen treffen und zwar ob man Klopfen soll oder nicht. Beim Klopfen verdoppelt man die Punktzahl am Ende und das kann nicht unerheblich sein. Stell dir vor es klopfen 3 Spieler am Tisch, dann ist das Spiel gleich viermal teurer!

Es gibt zum Glück nicht allzu viel worauf du beim Klopfen achten sollst. Generell gilt, je besser deine Hand und je besser deine Position, desto eher solltest du Klopfen. Das ist natürlich alles relativ. Bei 2 Ober und 1 Unter klopfst du natürlich, das ist keine Frage. Aber solltest du auch mit einem Unter, einer Eichel Sau mit Eichel Zehner klopfen? Ich würde es nur tun wenn ich rauskomme, denn das sind beste Voraussetzungen für einen Wenz, den man locker gewinnen kann wenn man rauskommt.

Eine Hand wie Herz Ober, Herz Achter und Eichel Sau ist meiner Meinung nach in keiner Position gut Genug zum klopfen.

Spielen oder nicht?

Nachdem sich die Entscheidung erledigt hat, ob man Klopfen soll oder nicht, kommt die neue Frage ob man spielen soll oder nicht bzw. was man spielen soll. Das ist natürlich nicht in Kürze zu beantworten. Ob bzw. was du spielen sollst hängt davon ab wie gut deine Hand ist, in welcher Position du dich befindest, ob die Spieler vor dir spielen möchten, wie häufig geklopft wurde und noch ein paar anderen Faktoren.

Spritzen bzw. aufstellen

Wenn die Entscheidung gefallen ist wer spielen soll, stellt sich manchmal die Frage ob man ein Kontra geben soll, oder vielleicht sogar ein Re wenn jemand anders ein Kontra gibt. Einfaches Beispiel: Du möchtest einen Wenz spielen, jemand gibt ein Kontra. Solltest du ein Re geben? Das solltest du nur tun wenn du dir sicher bist, dass du gewinnen wirst. Ansonsten kann das sehr teuer werden, vor allem wenn bei der ersten Hand schon aufgestellt wurde.

Alle weiteren Entscheidungen fallen dann im Spiel selbst. Das heißt welche Karte du ausspielen sollst bzw. welche Karten du überhaupt spielen sollst.