Wann ein Kontra geben?

Wednesday, December 1, 2010

Opa würde sagen: wennst gwinnst! Aber so einfach ist es natürlich nicht. Denn theoretisch müsste man ein Kontra geben wenn man in mehr als 50 % der Fälle gewinnt, das wäre + EV und man würde langfristig mehr gewinnen. Jedoch ist die Entscheidung nicht ganz so einfach, denn das Re macht einem einen Strich durch die Rechnung.

Wenn der Spieler wiederum ein Re gibt, heißt das, dass er sehr sicher ist zu gewinnen. Er gibt damit eine weitere Information preis, nämlich die, dass er scheinbar nicht zu schlagen ist. Nehmen wir mal an du denkst zu 60 % zu gewinnen und müsstest demnach ein Kontra geben. Wenn der Spieler nun aber ein Re gibt, gewinnst du nicht mehr zu 60 % der Fälle, denn er scheint viel stärker zu sein als angenommen. Und wenn dann deine Gewinnchance nur noch 40 % beträgt, war das Kontra eine sehr schlechte Entscheidung und – EV.

Schauen wir uns ein klassisches Beispiel an:
Der Spieler spielt einen Wenz und kommt raus. Du hast Herz Unter, Schellen Unter, Eichel Sau, Eichel Zehn, Herz Sau und Herz Zehn. Sollte man hier ein Kontra geben oder nicht?
Wie so oft beim Schafkopfen kommt es darauf an.
Zum Beispiel darauf wie der Spieler spielt. Spielt er sehr viel und grenzwertige Spiele, oder packt er nur die tod sicheren Spiele aus? Spielt er grenzwertig, so kann es gut sein, dass er nur den Eichel Unter hat und die beiden anderen Sauen. Das wäre natürlich schon sehr grenzwertig, aber er kann darauf hoffen, dass alle Unter beim ersten Stich zusammen fallen und er herunterspielen kann. In diesem Fall wäre ein Kontra ein Muss weil er sicher verliert.
Wenn er aber zu den passiven Spielern zählt, dann hat er vermutlich 2 Laufende und es wird kaum möglich zu gewinnen. Ein Kontra wäre dann fatal! Er hat 2 Laufende und wird ein Re geben. Das kostet nicht nur dich eine Menge Punkte, sondern auch deinen Mitspielern!

Von welchen Faktoren hängt also eine Kontra Entscheidung ab?

  1. Ist der Spieler aggressiv oder passiv?
  2. Wie wahrscheinlich ist es ein Re zu bekommen?
  3. Wie hoch ist die durchschnittliche Gewinnwahrscheinlichkeit
  4. Kann ich auf Unterstützung der Mitspieler hoffen?

Der vierte Punkt wurde bisher noch nicht  besprochen. Natürlich ist es nicht einfach zu sagen, aber es gibt gewisse Anzeichen, die einem verraten welche Karten die Mitspieler vermutlich haben. Angenommen Spieler A möchte spielen und Spieler C auch. Spieler A sagt weiter weil Spieler C einen Farbwenz hat. Es wird also ein Farbwenz gespielt. Was sagt uns das über die Karten von A? Naja, er muss ein Sauspiel gehabt haben. Und wenn er ein Sauspiel hatte verrät uns das schonmal, dass er vermutlich Ober, Unter und Herz sowie einen Spotzen hat. Für einen Farbwenz nicht sonderlich hilfreich!