Was die ganzen Besserwisser nicht verstehen…

Saturday, December 12, 2015

Schafkopf hat sich stark verändert. Vor einigen Jahren konnte man vor allem mit erfahrenen Spielern spielen, die wenig Fehler machten. Dazwischen drängten sich natürlich auch einige Anfänger, die nicht ganz so perfekt gespielt haben. Ist natürlich halb so wild, jeder hat einmal angefangen. Was sich meiner Meinung nach aber ganz stark verändert hat ist die Einstellung dieser Anfänger. Sie sehen sich nämlich nicht als solche. Oder zumindest meinen sie nach zwei Wochen schon mit den ganz großen mithalten zu können. Das sind auch genau diejenigen, die sich gerne am Tisch beschweren: “spiel doch die Sau aus du Depp!” oder “warum suchst du nicht??”. Grundsätzlich gilt: wer am lautesten schreit, hat am wenigsten verstanden. Natürlich gibt es offensichtliche Fehler und jeder ist eigentlich froh wenn sie einem nahe gelegt werden. Nur so kann man lernen und sich weiter entwickeln. Aber solche konstruktive Kritik ist selten. Diejenigen, die helfen könnten ist es meistens egal. Sie denken sich außerdem warum sie einen Gegner stärker machen sollten. Das kann man sehen wie man will. Es gibt aber etwas was ich schon fast unerträglich finde.

Und zwar ist das Kritik, die auf perfekten Informationen basiert. Soll heißen: nachher ist man immer schlauer. Jemand spielt eine bestimmte Karte und entscheidet sich offensichtlich “falsch”. Denn der Zug ging in die Hose. Der Besserwisser kann dann leicht stänkern: “was machst du da?” oder ein ironisches “merci dir” abliefern. 90% der Kritik beim online Schafkopfen beruht darauf, dass jemand einen Spielzug kritisiert nachdem dieser sich als suboptimal heraus gestellt hat. Sie denken aber nicht daran was eigentlich wichtig ist, nämlich die Informationen die der Spieler zum Zeitpunkt des Zuges hatte. So gesehen hat der Spieler laut der Fundamental Theorem of Schafkopf einen Fehler begangen. Aber das kann nach seinem Informationsstand zu diesem Zeitpunkt der best mögliche Zug gewesen sein. Gleiches gilt für die Fälle wo man sich bereits etwas anhören muss bevor der Mitspieler seine Karten kennt. Oft sieht ein eigener Zug komplett unglücklich aus, zum Beispiel eine blanke Zehn auszuspielen wenn der Mitspieler als nächstes kommt. Aber wenn man nur noch blanke Zehner oder Trümpfe hat, bleibt einem als Nicht-Spieler kaum was übrig. In so einem Fall kann man gar keinen Zug machen der dem Mitspieler gefallen kann. Auf einen Kommentar wie “warum??” muss man für gewöhnlich nicht lange warten.

Mein Rat: Wenn ihr jemanden kritisieren wollt, versetzt euch in die Lage des Spielers. Was wusste er zu diesem Zeitpunkt? Was war schon weg? Was hatte er für Alternativen? Was hat er sich dabei gedacht? Wenn nichts davon Sinn macht und es sich um einen klaren Fehler handelt, dann kann man trotzdem konstruktiv kritisieren. Oder einfach den Tisch wechseln. Gibt ja genügend mittlerweile 😉